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Kaltenkirchen | Tausendfüßler Stiftung

Mein, dein, unser Deutschland

Kaltenkirchen (em) Im Gemeinschaftshaus der Tausendfüßler Stiftung in der Schützenstraße gab es kürzlich eine ungewöhnliche Begegnung. An sich treffen sich nachmittags die Seniorinnen und Senioren aus der Nachbarschaft zum Kaffee. Diesmal bekamen sie Verstärkung von den Damen und Herren des Kaltenkirchener Seniorenbeirats und von einer Runde jüngerer MitbürgerInnen, die sich untereinander auf Arabisch begrüßten.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft e. V./ Berlin, die sich dafür einsetzt, das Miteinander in Deutschland und Europa zu fördern sowie Vorurteile abzubauen, gab es unter dem Motto „Mein, dein, unser Deutschland“ eine Gesprächsrunde zwischen Einheimischen und Geflüchteten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Heike Roth, Referentin bei der Deutschen Gesellschaft.

Die Flucht aus Syrien und Irak liegt dabei für die Geflüchteten schon Jahre zurück. Nach Kaltenkirchen führte sie der Zufall, keiner kannte die Stadt vorher. Ein weibliches Mitglied des Seniorenbeirats berichtete, dass sich Kaltenkirchen damals bewusst für die Aufnahme von Geflüchteten entschieden habe: „Wir wussten, dass wir die Arbeitskräfte in unseren Betrieben gut gebrauchen können und alle Arbeit finden würden.“ Beruflich konnten die Gäste mit Fluchthintergrund hier Fuß fassen.

Yasameen K., die in Hamburg eine Ausbildung zur Erzieherin macht, erzählte, wie froh sie sei, diesen Weg eingeschlagen zu haben: „In meiner Heimatstadt Bagdad hatte ich Geographie studiert, das war eigentlich gar nicht das, was ich wirklich machen wollte.“ In Deutschland hatte sie die Möglichkeit, verschiedene Praktika zu machen, nun äußerte sie sich begeistert von ihrem zukünftigen Beruf: „In meiner Einrichtung sind viele arabischsprachige Kinder, ich merke, dass ich gebraucht werde, auch, um mit den Eltern zur reden.“

Karrar A. zeigte sich ebenfalls zufrieden mit dem Erreichten. Zwar habe er eine Ausbildung im IT-Bereich abgeschlossen, dann habe ihn Corona aber zu Amazon geführt, wo er nun bereits Teamleiter sei. „Es macht Spaß, die Leute anzuleiten“, sagte er stolz.

Osama H. und Mohammad A. erinnerten sich daran, wie schwer es ihnen am Anfang gefallen sei, Deutsch zu lernen. „Krankenversicherungskarte“ zum Beispiel, das sei ein ziemlich kompliziertes Wort. Beide arbeiten inzwischen als Schulsozialarbeiter. Was sie als Heimat bezeichnen würden, wurden die vier gefragt. Mohammad A. erwiderte nachdenklich: „Heimat, das ist kein bestimmter Ort, das ist da, wo ich gut leben kann. Ich bin seit sechs Jahren in Kaltenkirchen, inzwischen haben wir zwei Kinder, beide gehen in die Kita. Wir wohnen hier, haben Arbeit. Hier bin ich sicher, hier ist jetzt meine Heimat.“

Ein Thema, das Einheimische und Flüchtlinge bewegte, war die Frage, wie man besser zueinander finden könne. Im Alltag ginge man sich doch oft aus dem Weg. Osama H. erzählte dazu eine kleine Geschichte: „Als ich in meine neue Wohnung eingezogen bin, hat eine Nachbarin bei mir geklingelt und mich zum Essen eingeladen. Wissen Sie, was es gab? Gestovten Kohl. Und ich habe sie auch eingeladen zu einem arabischen Essen.“ Eins der Themen, über das man sich näherkommen kann, und darüber war man sich einig, ist der Bereich Essen, Kochen und landestypische Gerichte.

Heike Roth aus Berlin sah hier Potenzial für ein neues Veranstaltungsformat: Gemeinsam essen, Rezepte austauschen und über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Jeannine Strozynski, die Leiterin des Gemeinschaftshauses, griff die Idee gleich auf und versprach: „Das machen wir dann an unserem neuen Standort Am Markt, da sind wir mittendrin!“ Aber erst müsse natürlich die Coronapandemie vorbei sein.

Foto: © Tausendfüßler Stiftung

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